Die Hofbrauhausterrasse
Es gibt nur wenige Städte und Orte am unteren Main, die noch so wohlerhaltene mittelalterliche Befestigungsanlagen besitzen wie das ehemalige Groß-Steinheim.
Aber auch innerhalb des Mauerrings bietet dieses alte Städtchen, das im Jahre 1320 Stadtrechte erhalten hatte, manche interessanten Fachwerk- und Basaltsteinhäuser, sowie eine Reihe öffentlicher Gebäude, die uns an die einstige Bedeutung dieses alten Amts- und Oberamtsstädtchen erinnern.
Es lohnt sich deshalb ein Rundgang durch das Mainstädtchen. Beginnen wir bei dem alten kurfürstlichen Brauhaus, dem nachmaligen Großherzoglichen Hofbrauhaus mit seiner das Maintal überragenden Terrasse, von wo man einen selten schönen Blick auf die alte Stadtbefestigung mit den verfallenen Mühltortürmen, auf den im sanften Bogen dahinfließenden Main, einen weiten Blick auf die Auen und Felder und die vielen Orte des Maintales hat, das von den blauen Höhen des Vorspessarts eingerahmt wird. (Abb. 1)
Abb.1
Das kurfürstliche Brauhaus
Das Brauhaus war ursprünglich ein Teil des alten herrschaftlichen Fronhofes, von dem heute noch neben dem Brauhaus ein Teil der alten Fronhofscheuer und die Schäferei des Fronhofes stehen.
Abb.2
Auf dem Torbogen des alten Brauhauses befindet sich die Zahl 1521. Es wurde also unter dem Kurfürsten Albrecht von Brandenburg ebenso wie der Fronhof erweitert. Das Wappen dieses Kurfürsten sehen wir an der Ostseite der Schäferei. Das Hauptgebäude (heute Wohnung des Brauhauses) ist in seiner jetzigen äußeren Form von dem Kurfürsten Anselm Franz von Ingelheim, der in Steinheim geboren wurde und von 1688 bis1699 als Kurfürst regierte, errichte5t worden. Sein Wappen ist auf der Giebelseite des Brauhauses angebracht. (Abb. 2)
Abb.3
Das Zunfthaus der Fischer und Schiffer (Abb. 3, 3a, 3b)
Vom Brauhaus nehmen wir den Weg zur alten Gedächtniskirche. Nördlich vom Brauhaus kommen wir an dem alten Zunfthaus der Fischer und Schiffer vorbei. Im unteren Stockwerk wies die gotische Dreipaßform des Fachwerks auf die Entstehungszeit des Hauses um 1460 hin. Die Untersuchung der Holzkonstruktion im Erdgeschoß hat ergeben, daß ursprünglich hier eine Halle eingebaut war, deren Decke von einem gewaltigen Ständer in der Mitte getragen wurde. Dies war wahrscheinlich die alte Fisch- und Zunfthalle.
Abb.3a und 3b
Der Wencksche Hof oder das Altaristenhaus
Bevor wir den Kardinal-Volk-Platz erreichen, fällt uns das interessante Fachwerk der ehemaligen Scheune des Wenckschen Hofes (heute Wohnungen, Abb. 4) auf. Das hochgiebelige, steinerne Wencksche Haus wurde um 1940 von dem Geistlichen und kurfürstlichen Keller Konrad Wenck erbaut. Es diente als Wohnhaus der Altaristen des Marien-, des Katharinen-, des Sebastians- und des Fronleichnams-Altars. Für den letzteren Altar hatte Konrad Wenck in diesem Hause im Jahre 1942 eine Kapelle „zu Ehren des Herren Christi, der Maria und der Annä“ errichten lassen. So erklärt sich auch die Statue über dem Eingangstor zum Hof, einer „Annaselbdritt“ d. h. Der heiligen Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind.
Abb.4
Der Kirchturm der Gedächtniskirche
Kehren wir uns um, so fällt unser Blick auf den mit einer Schlüsselschießscharte mit Zinnen und Erker versehenen Kirchturm, der ursprünglich nicht als Kirchturm, sondern als Wehrturm und Schutzwerk für die Burg nach Westen hin diente. Ursprünglich war er nicht so hoch wie heute.
Als im Jahre 1449 die Pfarrei Nieder-Steinheim wegen der kriegerischen Wirren nach dem mit Mauern befestigten Ober-Steinheim verlegt worden war, wurde die ehemalige Kapelle, von der auf der Südseite der Kirche noch ein spitzbogiges Fenster vorhanden ist, zur größeren Pfarrkirche erweitert, und der ehemalige Wehrturm wurde Kirchturm (Abb. 5).
Abb.5
Das älteste Pfarrhaus
Nordwestlich vom Kirchturm, mit der Westseite an die Festungsmauer angelehnt, erhebt sich das zweistöckige alte Pfarrhaus mit dem prachtvollen Fachwerk auf der Ostseite. Dieses Haus wurde um 1470 von dem Pfarrer Konrad Willungen erbaut. Von hier aus wirkten Steinheims Pfarrer von 1470 bis 1739.
Abb.6
In dem Eckzimmer des zweiten Stockwerks beobachtete Pfarrer Indagine (1488 – 1537) die Sterne und schrieb hier seine berühmten astrologischen Bücher. (Abb. 6).
Das zweite Pfarrhaus
Durch den benachbarten überdachten Torbogen mit der Inschrift: “Amore et candore“(in Liebe und Reinheit) und den Anfangsbuchstaben „P. S. K. (Pater Sebastian Kray) 1739“ betreten wir den Hof des zweiten Pfarrhauses, das im Jahre 1789 von der Gemeinde als Schulhaus gekauft wurde, während das dritte Pfarrhaus am Ufer des Mains nahe beim Schloß errichtet wurde.
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